ESF-Projekt: BIDA III

Anlehre+ als Sprungbrett in den Arbeitsmarkt

Jeder hat eine Chance verdient. Dieser Überzeugung ist Thomas Weyands, Projektleiter der BIDA am ZAWM. Mit der „Anlehre+“ erhalten auch junge Menschen mit erhöhtem Förderbedarf die Möglichkeit, Fuß im Berufsleben zu fassen.

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„Dreamteam“ – das ist wohl der passendste Ausdruck für Yannick Radermeker und Ives Godsar. Dabei könnten ihre Leben nicht unterschiedlicher sein:

  • Yannick Radermeker ist gelernter Gärtner im Garten- und Landschaftsbau, hat in seinem Metier bereits viele Erfahrungen gesammelt und sich Anfang 2023 selbstständig gemacht.
  • Der 18-jährige Ives Godsar arbeitet seit September in seinem Betrieb – allerdings nicht als klassischer Lehrling. Über das ESF Plus-co finanzierte Projekt „Berufliche Integration durch Ausbildungsbegleitung in der Dualen Ausbildung III“ – kurz BIDA III – absolviert er die sogenannte „Anlehre +“ – als erster Teilnehmer überhaupt.

Vermittlung von Kernkompetenzen

Bei der Anlehre+ handelt es sich um eine Erweiterung der Anlehre. Neben den Angeboten „Alltagshelden“ und „Deutsch als Zweitsprache“ ist sie seit dem Schuljahr 2022/23 ein dritter Baustein im Rahmen von BIDA III. Jugendliche mit einem intensiveren Betreuungsbedarf erhalten hier die Möglichkeit, sich während eines Jahres im Betrieb und im ZAWM Eupen auf die Berufswelt vorzubereiten. Wenn das Ausbildungsjahr endet, erhält der Absolvent eine Bescheinigung in Form eines Kompetenzportfolios. Das legt seine erlernten Fähigkeiten dar. 

Das Projekt vermittelt den Anlehrlingen+ grundlegende Kernkompetenzen beruflicher, sprachlicher, allgemeiner und berufsrelevant-sozialer Art. Ziel ist es, dass die Jugendlichen nach Beendigung der Anlehre+ für den Ausbildungsbetrieb fit sind. In der Phase der Anlehre+ ist ein individueller, auf den Schüler angepasster Unterricht vorgesehen.

Beide Seiten profitieren

Ives Godsar hat diese Chance genutzt. Denn sein Traum ist es, als Gärtner zu arbeiten. Große Teams sind allerdings nicht sein Fall. Die Zusammenarbeit mit seinem Chef ist für ihn ideal. Zwei Tage in der Woche ist er in der Berufsschule. Die anderen drei Werktage arbeitet er im Betrieb.

Aber nicht nur ihm kommt diese Konstellation zugute. Auch Yannick Radermeker profitiert davon: „Natürlich muss man viel Geduld mitbringen. Dennoch ist die Anlehre+ eine absolute Win-win-Situation. Ives ist hochmotiviert, lernt schnell und ist kritikfähig. In Zeiten des Arbeitskräftemangels sind solche jungen Menschen Gold wert. Es wäre schade, wenn jemand wie Ives den Rest seines Lebens arbeitslos wäre. Denn er hat Bock zu arbeiten, braucht halt nur etwas mehr Unterstützung.“

Premiere geglückt

Auch Thomas Weynands, Projektleiter der BIDA III am ZAWM, ist sehr zufrieden mit dem Start der Anlehre+: „Wir möchten zeigen, dass solch eine Maßnahme für einige junge Menschen mehr als sinnvoll ist. Ives hat es bewiesen: Er hat kürzlich sogar die Aufnahmeprüfung für die reguläre Lehre bestanden.“

Denkbar ist diese Maßnahme theoretisch in jedem Ausbildungsberuf. Caroline Gerckens, Standortleiterin am ZAWM Eupen, betont zudem den hohen gesellschaftlichen Wert der Anlehre+: „Das Projekt kostet zwar einiges, hat aber auch einen hohen Nutzen. Denn jeder Mensch, der in den Arbeitsmarkt integriert wird, ist letztlich ein Gewinn für die gesamte Gesellschaft.“