LEADER: eine Maßnahme des Europäischen Landwirtschaftsfonds, um den ländlichen Raum zu entwickeln (2023-2027)

Die Gemeinsame Agrarpolitik der EU (GAP)

Die Europäische Union fördert ländliche Gebiete über zwei Säulen, die zusammen die Gemeinsame Agrarpolitik bilden:

  • Die erste Säule betrifft die Direktzahlungen an Inhaber landwirtschaftlicher Betriebe.
  • Die zweite Säule sind die Fördermaßnahmen zur Entwicklung des ländlichen Raums (ELER).

LEADER steht für „Liaisons entre actions de développement de l'économie rurale“, also die Verbindungen zwischen Aktionen zur Entwicklung der ländlichen Wirtschaft und ist eine der EU-Fördermaßnahme zur Entwicklung des ländlichen Raums.

PwDR (2014-2022) (Plan wallon de Développement Rural): das Wallonische Programm zur ländlichen Entwicklung

Arbeitsgrundlage für die Umsetzung der 2. Säule der GAP in der Wallonischen Region und somit für die Deutschsprachige Gemeinschaft ist das „Wallonische Programm zur ländlichen Entwicklung“ (PwDR).

Basierend auf einer Stärken- und Schwächenanalyse des ländlichen Raums der Wallonie, legt der PwDR Investitionsschwerpunkte fest in den Bereichen Land- und Forstwirtschaft, Tourismus, Gesundheit und Soziales, Energie und Umweltschutz. Einen weiteren Schwerpunkt bilden Maßnahmen zur lokalen Entwicklung (LEADER).

Die Europäische Union stellt dem PwDR - zwischen 2014 und 2022 - 264 Millionen EUR zur Verfügung. Diese werden durch regionale Mittel, entsprechend den 19 Investitionsmaßnahmen, kofinanziert.

Nach Genehmigung durch die EU, voraussichtlich 2022, wird die neue Arbeitsgrundlage nicht mehr der PwDR sein, sondern der Strategieplan der GAP.

Die Maßnahme 19: LEADER

Die Umsetzung des europäischen LEADER-Programms begleiten und koordinieren auf lokaler Ebene Lokale Aktionsgruppen (LAG).

Die Lokale Aktionsgruppe:

  • besteht aus Menschen und Institutionen, die sich für die Entwicklung der Region engagieren und dafür Chancen und Möglichkeiten des europäischen LEADER-Programms nutzen wollen;
  • ist der Motor der Entwicklung ländlicher LEADER-Regionen und trägt zur Vernetzung der regionalen Akteure bei;
  • ist ein Zusammenschluss von privaten (mindestens 51 %) und öffentlichen Akteuren aus der LEADER-Region;
  • erarbeitet die Lokale Entwicklungsstrategie und entscheidet über die Verwendung der LEADER-Gelder für die Region;
  • begleitet und steuert die verschiedenen Projekte – hier laufen die Fäden zusammen.

LEADER fördert innovative Ideen und unterstützt lokale Akteure und Organisationen bei der Umsetzung ihrer Projekte. Dabei erhalten die Projektträger eine Förderung von 90%, bestehend aus EU-Geldern und einer regionalen Kofinanzierung der Körperschaft, die die Zuständigkeit hat.

LEADER steht für…

  • die Mobilisierung regionaler Eigeninitiativen nach dem Motto „Bürger gestalten die Zukunft ihrer Region“;
  • die Vernetzung und partnerschaftliche Zusammenarbeit von privaten und öffentlichen Akteuren;
  • die Nutzung vorhandener Potentiale, indem kreative und innovative Ansätze gesucht werden; erste Impulse und Anschubfinanzierung. Es gilt: Manpower wird gestärkt, Raum für große Investitionen gibt es nicht.

LEADER in Ostbelgien

In Ostbelgien gibt es zwei anerkannte LEADER-Regionen und somit auch zwei Lokale Aktionsgruppen:

LAG 100 Dörfer – 1 Zukunft:

  • Gebiet: 5 Eifelgemeinden (Amel, Büllingen, Burg-Reuland, Bütgenbach, Sankt Vith)
  • Gründung: 2002
  • Mitglieder:
    • 5 Eifelgemeinden (öffentliche Partner)
    • 13 Organisationen (private Partner) aus den Bereichen: Wirtschaft, Tourismus, Natur & Umwelt, Land- und Forstwirtschaft, Mobilität, Energie und Bildung.
    • 4 beratende Mitglieder: FRW sowie Regierung, Ministerium & Wirtschafts- und Sozialrat der Deutschsprachigen Gemeinschaft
  • LEADER Förderperiode 2014-2023:
    • Realisierung von insgesamt 13 Projekten durch 5 Projektträger
    • Handlungsfelder: Wirtschaft und Handwerk, Einzelhandel und Nahversorgung, Tourismus, Landschaft und Umwelt, Forstwirtschaft, Dorfentwicklung und Raumordnung, Energie und Mobilität.
    • Gesamtbudget: 2.604.856, 25 EUR

LAG Zwischen Weser und Göhl:

  • Gebiet: Eupen, Raeren und Lontzen
  • Gründung: Dezember 2016
  • Mitglieder:
    • 3 Gemeinden Eupen, Raeren und Lontzen (öffentliche Partner)
    • 11 Organisationen (private Partner) aus den Bereichen: Wirtschaft, Tourismus, Natur & Umwelt, Land- und Forstwirtschaft, Mobilität, Energie und Bildung.
    • 8 beratende Mitglieder: FRW sowie Regierung, Ministerium & Wirtschafts- und Sozialrat der Deutschsprachigen Gemeinschaft, Flussvertrag Maas Unterlauf; ÖKLE der Gemeinde Raeren und Lontzen, Seniorenbeirat der Gemeinde Lontzen
  • LEADER Förderperiode 2014-2023:
    • Realisierung von insgesamt 13 Projekten durch 7 Projektträger
    • Handlungsfelder: Wirtschaft und Handwerk, Einzelhandel, Wohnen und Soziales, Tourismus, Landschaft und Umwelt, Dorfentwicklung und Raumordnung, Energie und Mobilität.
    • Gesamtbudget: 2.345.298,26 EUR

Die Gemeinde Kelmis ist eine „semi-ländliche Gemeinde“, laut den für die Periode 2014-2022 geltenden Statistikregeln, denn ihre Bevölkerungsdichte ist zu groß. Aus dem Grund kann sie – trotz territoriale Nähe - nicht Mitglied der LAG „Zwischen Weser und Göhl“ werden. Aus Perspektive einer regionalen sinnvollen Entwicklung und inklusive Umsetzung der Projekte ist sie jedoch oft zu den Überlegungen assoziiert.

LEADER Projekte:

In seinem Alltag, seiner Freizeit, im profesionnellen oder schulischen Umfeld ist jeder Bürger Ostbelgiens schon mal in Kontakt mit sichtbaren Ergebnissen der LEADER-Projekten getreten.

Hier eine kleine Auswahl einiger konkreter Maßnahmen und Aktionen der aktuellen Förderperiode:

  • O-asen und Mountain-Bike-Netz
  • Panoramatafeln und virtuelle touristische Rundgänge
  • „Be Your Boss“
  • Beratungsangebot „Umbau und Renovierung alter Bausubstanz“ durch regionale Architekten
  • Energiejagd in Grundschulen sowie „Photovoltaik für alle“
  • Projektaufrufe zur Förderung sanfter Mobilität und Mitfahrbank Ostbelgien
  • Erklärfilm und Animationen zum Thema Wasserqualität
  • Knotenpunktsystem für Wanderwege und Wanderroutenplaner
  • Holzolympiade für Grundschüler und „Zukunft Holz“
  • Mobilitätszentrale und Movith-Stadtauto
  • Heckenerlebnispfad Wirtzfeld – Konzeptentwicklung

An folgenden Logos erkennt man eine Förderung des LEADER-Programms:

Leader Logos