ESF-Projekt: Beschützende Werkstätten
Zuerst der Mensch, dann der Arbeitsplatz
Eine Arbeitsstelle ist für die meisten Menschen sehr wichtig. Aber nicht jeder fasst Fuß auf dem ersten Arbeitsmarkt. Daher beschäftigen die Beschützenden Werkstätten in Ostbelgien rund 300 Menschen mit Beeinträchtigung oder Unterstützungsbedarf.
In der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens sind seit den 1970er-Jahren drei Beschützende Werkstätten angesiedelt, davon zwei im Norden (Eupen und Hergenrath) und eine im Süden (Meyerode). Diese Einrichtungen haben sich zu vollwertigen Partnern von Unternehmen entwickelt. Das Hauptziel ist, Personen mit Unterstützungsbedarf zu beschäftigen.
Sie fungieren wie Unternehmen bzw. Sozialbetriebe, die Menschen mit multiplen Einschränkungen eine Chance auf eine entlohnte Tätigkeit eröffnen. Indem Arbeitsbegleiter und Sozialassistenten unterstützen, ist es möglich, Leistungsdefizite der betroffenen Mitarbeiter aufzufangen bzw. auszugleichen und so einen ihren Fähigkeiten entsprechenden Arbeitsplatz zu schaffen.
Individuelle Betreuung
Neben Personen mit Beeinträchtigung begleiten die beschützenden Werkstätten bereits seit vielen Jahren Personen mit sozialen oder psychischen Einschränkungen, die nur sehr schwer einen Job auf dem ersten Arbeitsmarkt finden. Momentan sind es rund 300 Menschen.
Einer von ihnen ist der 37-jährige Ronny Schreiber. Vor zehn Jahren kam er über das ÖSHZ zur Beschützenden Werkstätte in Meyerode. „Die Beschützende Werkstätte war meine allerletzte Chance, Fuß auf dem Arbeitsmarkt zu fassen. Und hier habe ich die Chance bekommen, zu zeigen, dass ich auch wirklich arbeiten möchte. Wenn ich darf, bleibe ich hier bis zur Rente.“ Sein Kollege Ali Al Kurdi ist aus Syrien geflohen und seit sechs Monaten Teil des Teams. Auch er fühlt sich am Standort Meyerode sehr wohl, insbesondere weil hier bei der Auswahl der Arbeiten auf seine körperlichen Beschwerden und seine sprachlichen Defizite Rücksicht genommen wird. „Dank der Zuschüsse über ESF Plus haben wir die Zeit, die Menschen Stück für Stück an ihre Arbeiten heranzuführen. Dabei werden sie individuell betreut und unterstützt – das kann ein normaler Betrieb in dem Umfang gar nicht leisten“, erklärt Alexa Colling, Geschäftsführerin der Beschützenden Werkstätte in Meyerode.
Zahlreiche Dienstleistungen
Jede der drei Werkstätten hat sich auf bestimmte Dienstleistungen spezialisiert. Sie decken somit viele Bereiche ab: von Verpackungsarbeiten im Lebensmittel- oder medizinischen Bereich, über Konfektionieren von industriellem Zubehör und Verkabeln von komplexen Schaltkästen bis hin zu Gartenarbeiten. Davon profitieren auch zahlreiche Unternehmen in der Region.
Zum Beispiel Siemens Beersel, seit 25 Jahren. „Das Engagement und die Einsatzbereitschaft der Mitarbeiter, bestimmte Teilaufgaben innerhalb der richtigen Lieferzeiten zu erledigen, waren und sind immer noch hervorragend“, so Filip Pletinckx, verantwortlich für Produktion und Technik bei Siemens Beersel. „Die Tatsache, dass wir durch unsere Zusammenarbeit auch Menschen mit Beeinträchtigungen die Möglichkeit bieten, einer regulären Arbeit nachzugehen und sie in die Gesellschaft zu integrieren, rundet das Bild ab.“
Die Beschützende Werkstätte Meyerode hat zudem einen eigenen produzierenden Bereich mit einer Elektromontage und einer kleinen Druckerei. Alle drei Werkstätten haben darüber hinaus verschiedene Qualitätsstandards eingeführt, für die sie dann auch die entsprechende Zertifizierung vorweisen können. „Wir sehen uns nicht nur als Sozialbetrieb, sondern auch als verlässlichen und flexiblen Partner für sehr unterschiedliche Unternehmen, denen wir Arbeitskraft anbieten können. So können wir Aufgaben übernehmen, die das betriebsinterne Personal entlastet und somit neue Ressourcen innerhalb des Unternehmens freisetzt“, erklärt Colling.
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