ESF-Projekt: DSL

Arbeiten trotz Beeinträchtigung?

Für Heinz Xhonneux stellt sich diese Frage nicht mehr. Seit 28 Jahren ist er mit Leidenschaft als Garten- und Landschaftsbauer im Einsatz. An seiner Seite: die Dienststelle für Selbstbestimmtes Leben Ostbelgien.

Alles begann mit einer Stellenanzeige, die Heinz Xhonneux vor rund 29 Jahren entdeckte. Gesucht wurde ein Garten- und Landschaftsbauer beim Garden Service in Eupen. Der heute 47-Jährige hatte damals gerade seine Schule beendet. Aufgrund einer Lernschwäche war er unsicher, ob er überhaupt jemals einen Job bekommen würde. Doch er bewarb sich.

Und Geschäftsführer Hermann Radermeker gab ihm eine Chance – zunächst in Form eines Praktikums, das die Dienststelle für Selbstbestimmtes Leben eng begleitete. „Als Heinz damals zu uns kam, war er sehr unsicher. Es ist einfach nur großartig zu sehen, wie er sich bei uns entwickelt hat.“ Nach dem Praktikum konnte Heinz Xhonneux eine Ausbildung beginnen. Danach wurde er fest übernommen. Bis heute. Möglich gemacht hat dies auch die Dienststelle für Selbstbestimmtes Leben – kurz DSL.

Mein passgenauer Arbeitsplatz

Alle Menschen, die einen Unterstützungsbedarf haben, können sich in jedem Alter an die Dienststelle für Selbstbestimmtes Leben wenden. Unter Beeinträchtigung sind körperliche, seelische oder geistige Beeinträchtigungen sowie auch Beeinträchtigungen der Sinnesorgane zu verstehen. Des Weiteren können auch Personen über dem Pensionsalter die für ihre Altersgruppe vorgesehenen Leistungen der Dienststelle in Anspruch nehmen.

Eine junge Frau mit Downsyndrom steht in einem Großraumbüro.

Auch das ESF+ Projekt „Mein passgenauer Arbeitsplatz“ wird über die DSL abgewickelt. Das Angebot richtet sich an 18- bis 65-Jährige, die aufgrund der ICF-Arbeit (ICF = Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit) Anrecht auf Unterstützung im Beschäftigungsbereich haben. Dabei soll ein Matching zwischen verfügbaren bzw. auszubildenden Fähigkeiten von Projektteilnehmern und Arbeitsplatzanforderungen gezielt begleitet werden. Eine Win-Win-Situation, von der beide Seiten profitieren, gefördert durch den Europäischen Sozialfonds Plus.

Immer eine individuelle Entscheidung

„Wir arbeiten nicht nur mit Betrieben im Garten- und Landschaftsbau zusammen, sondern auch mit Pflegeheimen, mit produzierenden Unternehmen, Reinigungsunternehmen – die Bandbreite ist groß“, erklärt Sonja Niggemann, Referatsleiterin Beschäftigung bei der DSL. „In ganz Ostbelgien haben wir mehr als 400 Unternehmen, die mit der DSL bereits in Kontakt getreten sind, um in irgendeiner Form einen Menschen mit Beeinträchtigung zu beschäftigen. Daran erkennt man eine große Offenheit.“ Ihr ist bewusst, dass Unternehmen gerade auf dem ersten Arbeitsmarkt auch auf ihre Zahlen achten müssen. Durch die Einrichtung eines „passgenauen Arbeitsplatzes“ können Betriebe jedoch ihr Fachpersonal gezielt entlasten und einen neuen wertvollen Mitarbeiter gewinnen.

Diese Erfahrung hat auch Hermann Radermeker gemacht: „Heinz ist nicht nur bei den Kollegen sehr beliebt, sondern auch bei den Kunden. Das ist für das Arbeitsklima ein Gewinn, aber auch für den Kontakt mit den Kunden. Und ganz nebenbei werden die sozialen Kompetenzen meiner Mitarbeiter und das Wir-Gefühl deutlich gestärkt.“ Auch Heinz ist happy. Er hat seinen Traumberuf gefunden und führt mittlerweile ein „selbstbestimmtes“ Leben: „Ich bin froh, dass ich damals diesen Schritt gegangen bin. Denn meinen Job möchte ich nicht mehr hergeben.“